Die Mayas

 

Source:
Berthold Riese, "Die Maya", Verlag C.H.Beck, 1995) und
http://www.wu-wien.ac.at/usr/h97b/h9751261/

Entdeckung

Die ersten Erkundungen der Maya-Welt fanden im 18.Jahrhundert unter dem spanischen König Karl III statt. Zur Veröffentlichung kam es jedoch erst 30 Jahre später, allerdings nicht in Spanien sondern in England und Deutschland.
Der Amerikaner John Lloyd Stevens und der englische Architekt Frederick Catherwood erforschten von 1839 bis 1841 das ganze Maya-Gebiet.
Der Franzose Desire Charnay fotografierte um 1860 die Ruinenstätte in Mexiko.
Im Verlauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wechselte die Feldforschung von der Bestandsaufnahme der Ruinen zu Ausgrabungen. Man war erstrebt, Dörfer und Wohnbezirke auszugraben.
Die Entschlüsselung der Maya-Schrift war ein langwieriges Unterfangen. Schließlich fand man heraus, daß es bei den Steininschriften um Ereignisse im Leben von Herrscherfamilien und der Staaten ging.
Das Maya-Gebiet war bis ins 20. Jahrhundert eine dünnbesiedelte und von der modernen Zivilisation nur wenig berührte Zone. Zunächst wurde hauptsächlich die Maya-Sprache erforscht.

Ausstreckungsgebiet

Das Gebiet der Maya ist eine geschlossene Region. Den nördlichen Teil bildet die Halbinsel Yucatan und Belize, im Süden schließen sich die Hochländer von Guatemala, El Salvador und Honduras.

Aussteckungsgebiet der Mayas

Entwicklung der Mayas

Die ersten dörflichen Ansiedlungen im Maya-Gebiet wurden an den Küsten des Pazifik zwischen 2500 und 2000 v.Ch. gegründet.
Der Prozeß der Neolithisierung (=seßhafte Siedlungsweise), die Einführung der Töpferei und der Beginn des Feldbaus hat sich im Maya-Gebiet über insgesamt ein Jahrtausend erstreckt.
Die Sprachgruppe, der diese frühen Besiedler des späteren Maya-Gebietes angehörten ist unbekannt. Diese Ur-Maya bildeten bis etwa 1500 v. Ch. im Hochland von Guatemala eine kleine Gruppe. Dann spaltete sich eine Gruppe dieser Ur-Maya ab und wanderte nach Norden in die Halbinsel Yucatan ein. Sie bildeten den Grundstock der noch heute dort siedelten Maya-sprechenden Indianer. Eine andere Gruppe wanderte die Küste entlang nach Norden.
Heute gibt es etwa 30 verschiedene Maya-Sprachen.

Die Olmeken waren in mancher Hinsicht Vorläufer und auch Vorbild der Maya. Sie waren die erste Hochkultur Mexikos.
Nach dem plötzlichen Niedergang der Olmeken um 400 v. Ch., entfaltete sich das im Maya-Hochland gelegene Kaminaljuyu (Ruinenort im Hochland Guatemalas) zu einem zivilen und religiösen Zentrum. Dort wurde die olmekische Tradition fortgeführt und mit einigen Neuerungen bereichert. Sie wird daher als epi-olmekische Kultur bezeichnet.

Maya Schrift

Der Gebrauch der Schrift verbreitete sich im ganzen Maya-Tiefland, nicht jedoch im Hochland. Das verwendete System war sehr einheitlich. Die Schrift war eine Silbenschrift, wobei für jede Silbe ein Schriftzeichen existierte.
Texte im nördlichen und südlichen Tiefland unterscheiden sich in den Formen und Zeichen. Die frühesten Maya-Texte wurden im südlichenTiefland gefunden, es sind vorallem Steininschriften. Die Maya-Schrift steht äußerlich in sehr großem Kontrast zu den anderen mesoamerikanischen Schriften. Die Texte sind sehr kompakt in Zeilen und Spalten geschrieben.

Die klassische Blüte

Als Auslöser der Blüte der Maya-Kultur kann man eine Naturkatastrophe bezeichnen. Vulkanausbrüche im Osten El Salvadors zerstörte weite Landstriche im heutige El Salvador und dem östlichen Guatemala. Die Bevölkerung mußte auswandern und ist bis ins südliche Tiefland vorgedrungen. Sie paßten sich an die Umgebung an und so entstand auch die Konzeption einer zeitlosen Anlage. sie bestand aus einer rechteckigen Plattform, an der an drei oder vier Seiten Pyramiden oder langgestreckte Plattformen mit krönenden Häusern (Paläste) errichtet wurden. Außerdem gab es eine Kanalisation für den Wasserzu-und -abfluß und Entwässerungsanlagen. Zusätzlich gab es noch drei "Chultunes" genannten, flaschenförmigen unterirdischen Kammern, die im südlichen Tiefland als Nahrungsmittelspeicher und im Norden als Trinkwasserspeicher dienten.

Die Struktur der Stadtstaaten

Bauern
Die Bauern bildeten das wirtschaftliche Fundament der Gesellschaft. Es wurden Mais, Bohnen, Avocado, Tomaten und vieles mehr angebaut. Außerdem gab es Formen von künstlicher Be-und Entwässerung.

Gelehrte
Sie nahmen einen höheren Rang ein, als die Bauern.Es gab ein systematisch ausgebildetes Zahlensystem, auf dessen Grundlagen die Hieroglyphenschrift mit nur drei Zeichen beliebig hohe Zahlen schreiben konnte. Ein Sonnenjahr von 365 Tagen war die Grundlage des Maya-Kalenders. Das Jahr war in 18 Abschnitte zu jeweils 20 Tagen eingeteilt. Die restlichen 5 Tage wurden am Ende angefügt. Jeder Monat hatte einen Namen.
Genaueres über den Maya-Kalender.

Adel
Der Adel war zahlenmäßig die kleinste, politisch aber die maßgebende Schicht. Zum Hochadel konnte man nur durch Geburt oder Einheirat gehören. Ihm entstammten die Könige, die Statthalter und vermutlich der höhere Klerus. Der Adel nahm auch an den wichtigen Riten teil.

Bedeutende Maya Dynastien

Die Städte Tikal, Yaxchilan, Copan und Palenque waren bedeutende Maya-Städte. Tikal und Copan waren vorallem von politischer Bedeutung. Yaxchilan und Palenque zeichnen sich wegen der Qualität ihrer Architektur und Kunst aus.

Dynastie Zeit Entdeckung
Tikal 200-850 1877
Yaxchilan 250-800 1882
Copan 360-820 Anfang 19.Jhdt.
Palenque 397-900 Ende 18.Jhdt.

Niedergang

Für den Niedergang der Maya waren mehrere Faktoren verantwortlich:

Diese Faktoren wären, wenn sie einzeln aufgetreten wären leicht zu überwinden gewesen. Zusammen hatten sie aber den Untergang der Maya zu Folge.
Im neunten Jahrhundert wanderten mexikanische Gruppen in das Maya-Gebiet ein. Der Norden blieb zu Anfang unberührt. In einer letzten Invasionswelle erreichen dann Tolteken Yukatan. Im Norden geschieht der endgültige Niedergang um 1240 mit dem Zerfall in 13 sich bekriegende Kleinstaaten.
Zur selben Zeit endet die Herrschaft der Dynastien Copan und Quirigua. Vorallen verantwortlich dafür waren interne Kriege, die das Maya-Gebiet zunächst schwächten und dadurch den Einfall von außen ermöglichten.
Die erste planmäßige spanische Expedition erreichte Yucatan 1517. 1540 wurde mit dem Plan begonnen, von Westen nach Osten eine Provinz nach der anderen zu erobern und drei spanische Städte zu gründen. 1544 war der Plan vollzogen und damit Yucatan erobert und in spanischer Hand.